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Vereinschronik

Es begann mit Turnen und Fußball…


TSV Kiel Gaarden 1875 Logo Gaardener Männer-Turnerbund 1875 Logo
Nachdem im Jahre 1875 eine Anzahl junger Männer in der damaligen Gemeinde Gaarden den Gaardener Männer-Turnerbund gründete, so wurden wohl erst 20 Jahre später Rasenspiele durch Überlassung des Spielplatzes im Werftpark betrieben.
Als erstes Spiel ist ein Freundschaftsspiel zwischen dem Kieler Männerturnverein (KMTV) und dem Gaardener Männer-Turner-Bund im Jahre 1897 belegt. Allgemein waren die Älteren jedoch gegen den Fußballsport eingestellt, so dass die auftretenden Differenzen dazu führten, dass die Fußballer eigene Vereine gründeten.

Das erste Jahrzehnt des zwanzigsten Jahrhunderts ist die Zeit der Gründung von Fußballvereinen. Fast überall, wo sich Anhänger des braunen Lederballs zusammenfanden, entstand ein Fußballklub, so auch in unserem Stadtteil Gaarden.
Hier bestanden bereits die Werftparkspielvereinigung von 1901 und der Fußballklub Concordia von 1902. Die Concorden spielten damals auf dem östlichen Gelände des Schlachthofes am Ende der Hörn. Aber diese Vereine hatten keinen langen Bestand, sie lösten sich bald wieder auf und verschwanden von der Bildfläche.

FSV Borussia von 1903 e.V.

Von 1903 bis 1972

Gaardener Turnverein 1885 Logo An einem Frühlingsabend des Jahres 1903, am 27. Mai, ging eine Schar junger Turner des damaligen Gaardener Turnvereins (GTV) zum Werftpark, um Leichtathletik zu betreiben. Da den jungen Leuten keine Geräte zur Verfügung standen, einigte man sich auf ein Fußballspiel. Unter Leitung von August Schmidt, der einen Ball bereitstellte, wurden sie schnell Freunde und Anhänger dieses schönen Sports und wollten es nun auch bleiben.
Ein Antrag beim Turnrat auf Bewilligung eines Fußballes wurde abgelehnt, und so waren sie gezwungen, auf eigene Kosten Geräte und Bälle zu beschaffen. Auf einer Zusammenkunft am 2. Juni auf der Kegelbahn im Werfterholungshaus, wo 13 Personen anwesend waren, wurde die Gründung eines Fußballklubs beschlossen. Das Gründungsprotokoll weist folgende Unterschriften auf: Ernst Schmahl, Hellmut Eggert, P. Matz, Peter Höck, August Schmidt, Johannes Prüß, R. Wöhlk, Robert Meyer, Johannes Dargusch, August Schott, Hans Wustrow.

Lange Zeit nahm die Namensfindung in Anspruch. „Viktoria” oder „Concordia” waren schon vergeben. Der Vorschlag „Borussia” (= Preußen) sagte niemandem etwas, aber da Kiel damals zu Preußen gehörte, waren alle einverstanden.
Obwohl mit großem Enthusiasmus die Aufgaben angepackt wurden, mussten die Mitglieder sehr bald erkennen, dass eine Unmenge von Problemen zu lösen war, ehe man sich überhaupt sportlich betätigen konnte. Die Sportplatzfrage, das Problem der Umkleidemöglichkeit, die Anschaffung von notwendigen Sportgeräten waren Einzelfragen, die großen persönlichen und finanziellen Einsatz jedes Einzelnen erforderten.

Nachdem der Fußballneuling inzwischen fleißig trainiert hatte, traten verschiedene gute Spieler obiger Vereine zu ihm über, wodurch sich die Mannschaft wesentlich verstärkte und für die Zukunft den anderen Kieler Vereinen ein nicht zu unterschätzender Gegner wurde. Trotz eifrigster Bemühungen aber war es schwer, in unserem Stadtteil Gaarden Anhänger für den Fußballsport zu gewinnen, da der hiesigen Bevölkerung absolut kein Verständnis für die Ausübung von Fußball oder Leichtathletik entlockt werden konnte.
Aus diesem Grunde hatten auch die oben genannten Vereine nur eine kurze Lebensdauer zu verzeichnen, so dass schon vom Jahre 1904 an Borussia lange Jahre alleiniger Fußballverein in Gaarden war. Als Sportstätte diente der Sportplatz im Werftpark, und einige Jahre später konnte erreicht werden, auf dem damaligen Kasernenhofgelände in der Pickertstraße den Exerzierplatz als Sportplatz zu benutzen.


Das Jahr 1906 brachte wesentliche sportliche Erfolge, da die erste Mannschaft durch einige gute Spieler vom Kaiserlichen Seebataillon aus der Pickert-Kaserne verstärkt werden konnte. überhaupt entwickelte sich eine gute Verbindung mit dem Seebataillon. Dieser Kontakt ist im Laufe der Jahre ständig ausgebaut worden und hat zu einer sehr engen Zusammenarbeit geführt.
Durch den damaligen 1. Vorsitzenden Johannes Wolff wurde eine Jugendabteilung gegründet. Im Jahre 1908 siedelte der Verein, nachdem er inzwischen mehrfach das Vereinshaus gewechselt hatte, zum Restaurant „Zum Reichspfennig” über. In diesem Lokal ist der Verein viele Jahre gewesen und hat hier schöne Stunden verbracht.

Im Jahre 1910 konnte die 1. Mannschaft zum ersten Mal an den Aufstiegsspielen zur damaligen 1a-Klasse teilnehmen.
Aber es gab immer wieder Rückschläge. Das Jahr 1911 darf wohl als das traurigste Jahr der Vereinsgeschichte gelten. Der Verein war nicht in der Lage, auch nur eine Mannschaft auf den grünen Rasen zu bringen, weil ihm die Fühlung mit den jüngeren Spielern verlorengegangen war, so dass diese abwanderten und sich anderen Kieler Vereinen anschlossen. Bis Mitte dieses prüfungsschweren Jahres ging die Mitgliederzahl auf die Zahl 7 zurück.
Die verbliebenen Mitglieder riefen jetzt eine Versammlung ein mit der Tagesordnung: „Auflösung des Vereins”. Dieser Punkt der Tagesordnung dürfte für den Tiefstand des Vereins ein beredtes Zeugnis ablegen. In längerer Sitzung wurde das Wohl und Wehe des Vereins beraten. Das Abstimmungsergebnis lautete: 4 Stimmen gegen die Auflösung und 3 Stimmen dafür.

Bald darauf kehrte der frühere 1. Spielführer Johannes Wolff nach Beendigung seiner Militärzeit zurück. Dank seiner rastlosen Arbeit gelang es dann auch bald wieder, eine Schar Spieler um sich zu vereinen. Kaum waren vier Wochen verflossen, zählte der Verein bereits wieder über 100 Mitglieder.
Seit dem Jahre 1912 stand den Gaardener Vereinen der legendäre Gaußplatz zur Verfügung, und gerade dieser Platz ist die Sportstätte der damaligen Fußballjugend gewesen. Hier haben Jungs, die in späteren Jahren einen Namen im Gaardener Fußballsport hatten, sich das Rüstzeug für ihr späteres Können erworben. Erst heute erkennen wir so richtig die Bedeutung dieses Platzes.

Erwähnen sollte man noch, dass alle Spieler Idealisten im wahrsten Sinne des Wortes waren. Von der ersten bis zur letzten Mannschaft beschafften sie sich ihre Spielkleidung selbst, bestritten die Fahrkosten nach außerhalb aus eigener Tasche, und bauten das Spielfeld selbst auf.

Erster Weltkrieg

Als dann im August des Jahres 1914 der erste Weltkrieg ausbrach, zogen viele unserer Spieler, darunter fast die ganze erste Mannschaft, ins Feld. Alle sportlichen Erfolge wurden dadurch plötzlich zerstört. Der Fußballsport wurde im gesamten Deutschen Reich vorläufig eingestellt.
FSV Borussia Kiel Gaarden 1903 Logo

Erst im Jahre 1915 belebte der Sport sich allmählich wieder. Nun war es auch Aufgabe des Spielausschusses, eine Mannschaft zusammenzustellen. Die Aufgabe wurde dadurch gelöst, dass in die Mannschaft Marinesoldaten eingestellt wurden. Nach dem Friedensschluss 1918 musste wieder aufgebaut werden. In diese Zeit fällt auch die Änderung des Vereinsnamens. Am 10. April 1920 bestimmte die Generalversammlung die Änderung von „Fußball-Club Borussia” in „Fußballverein Borussia von 1903, Kiel-Gaarden”.

Von einer ganz besonderen Bedeutung für die Vereinsgeschichte wurde das Jahr 1921. Es gelang dem Verein der Aufstieg in die 1. Klasse nach 18 Jahre langem Kampf. Mit dem Beginn der Ligaspiele wurde auch die Vereinstracht geändert. Anstatt der weißen Hose erwählte man eine grüne Hose. Die Vereinsfarben wurden somit schwarz-weiß-grün.

Ein besonderer Blick sei auf das Jahr 1924 gerichtet: Im Schlagball – heute kaum noch bekannt – erreichte der FV Borussia das Endspiel um die Deutsche Meisterschaft gegen SC Germania Gleiwitz aus Oberschlesien. Mit fünf Punkten wurde das Spiel von unseren 12 wackeren Leuten gewonnen, und damit sicherten sie unserem Verein den Titel eines Deutschen Meisters.

Über die harte Zeit der Weltkriegs- und der unruhevollen Inflationsjahre hinweg war unser Verein zu einem großen Sportverein angewachsen. Viele Ehrungen wurden ihm an diesem Tage zuteil. Die unter schweren Opfern geschaffene Vereinsfahne und eine Ehrentafel mit den Namen der 12 im ersten Weltkrieg gefallenen Vereinskameraden wurden geweiht.
Mit Beginn der Ligaspiele wurde auch der Werftpark-Sportplatz genutzt, weil für die Durchführung diese Spiele der Kasernenhof, besonders in den Sommermonaten, nicht gerade geeignet war. Eine Platzkommission, gebildet aus den Vertretern der beteiligten Vereine TSV, MA 1, Gruppe Ost, GBV und Borussia sorgte für eine gerechte Verteilung und damit für einen reibungslosen Ablauf des Spielbetriebes.

Im Jahre 1925 konnte erstmals eine Vereinszeitung herausgegeben werden. Wir entnehmen ihr, dass außer Fußball, Handball und Schlagball auch Schwimmen, Turnen, Leichtathletik und Wandern zum Programm gehörten.
1921, nach 18 Jahren Fußball in der FSV Borussia, stieg die erste Mannschaft in die Liga auf. 1927/28 gehörte unsere Mannschaft der Bezirksliga an. Der Bezirk umfasste seinerzeit das ganze Land Schleswig-Holstein mit Ausnahme der Hansestadt Lübeck, also mithin die höchste Spielklasse. In dieser Zeit erreichte unsere 1. Fußballmannschaft für längere Jahre hindurch in Kiel den 2. Platz.

Seit Jahren war die KSV Holstein einwandfrei Kiels stärkster Verein und der FC Kilia der „ewige Zweite”. Das war schon Tradition im Kieler Fußballsport geworden. Um 1928 gelang es nun unserer 1. Fußballmannschaft, den Bann zu brechen. Kilia wurde geschlagen. In den nun aufeinanderfolgenden Jahren hießen die beiden Kieler Vertreter bei den damaligen Meisterschaftsspielen des Norddeutschen Sport-Verbandes (NSV): Holstein und Borussia.

Da der Fußballsport nicht nur bei Borussia einen großen Aufschwung nahm und immer mehr Mannschaften dazukamen, entstand der Wunsch nach einem eigenen Platz. Der Vorstand sah sich nach geeignetem Gelände um und fand auf Katzheide geeignetes. Weil es aber zu teuer war, kam es doch nicht in Frage, so dass man weitersuchen musste. Ein Projekt bei der Gasanstalt zwischen Gaarden und Ellerbek scheiterte aus anderen Gründen.
Um die gleiche Zeit wurde der Werftspielplatz in seiner heutigen Form neu gestaltet und nach dem Kieler Stadtrat, Vorsitzenden des Norddeutschen Fußballverbandes und Geschäftsführenden Vorsitzenden des Deutschen Fußballbundes, Georg P. Blaschke, der im Jahre 1928 plötzlich verstarb, benannt.

Nationalsozialismus

Nach der „Machtergreifung” im Januar 1933 griff die Politik mit vielen Entscheidungen in das Vereinsleben der Sportvereine, so auch in das des FV Borussia, ein und versuchte, sie auf nationalsozialistischen Kurs zu bringen, „gleichzuschalten”.
Das führte dazu, dass die bestehenden Strukturen vielfach zerschlagen wurden: „Wir haben als die einzigen Leibesübungen treibenden Vereine in Gaarden andere, wichtigere Aufgaben zu erfüllen, wenn wir bedenken, dass beide Vereine zusammen nur 730 Mitglieder betreuen, bei einer Einwohnerzahl von 28.500”, wie es in der TSV-Vereinszeitung von 1938 anlässlich eines Vereinswettkampfes zwischen dem FV Borussia und dem TSV Gaarden heißt.
Das Vereinsleben aber funktionierte in den Gaardener Vereinen im Großen und Ganzen weiter wie bisher. Denn die Mitglieder, die nur noch den „Vereinsführer” zu wählen hatten, setzten klugerweise die alten Vorsitzenden ein. Der Vereinsführer berief dann seine weiteren Mitarbeiter, und das waren in der Regel auch die alten, bewährten Vorstandsmitglieder. Außerdem war man weithin durch alte Freundschaften verbunden, die so schnell nicht auseinander zubringen waren.

Nur so war es möglich, die Politik, wenn irgend möglich, aus dem Vereinsleben herauszuhalten. Beispielhaft soll hier ein Vorstandsbeschluss aufgeführt werden, der lt. Protokollbuch des FV Borussia am 14. März 1939 (!) gefasst wurde: Der Vorstand lehnte es einstimmig ab, in den Umkleideräumen Bilder von NS-Größen (Hitler, Goebbels, „Reichssportführer” von Tschammer und Osten) aufzuhängen. Das war ein mutiger Beschluss, und zwar nicht nur dieser Beschluss als solcher. Vielmehr die Tatsache der Protokollierung offenbarte Mut, verdient Anerkennung und zeigt, dass man nicht alle Maßnahmen der damaligen Machthaber kritiklos hinnahm.

Unabhängig davon aber waren die 30er Jahre für die Vereinsarbeit ein Zeitabschnitt, in dem weit über den Rahmen des Stadtgebietes hinaus die ersten Mannschaften der Fußball- und Handballabteilungen ihre beste Zeit hatten und durch die sportlichen Leistungen bei allen Vereinen Anerkennung fanden. Besonders unsere Fußballabteilung wurde für viele große Vereine zu einem Angstgegner. Von den Spielen gegen den HSV, Altona 93 und viele andere renommierte Mannschaften schwärmen noch heute die Mitglieder, die diese Zeiten miterlebten.

1933 wurde die Gauliga des Gaues Nordmark geschaffen. Holstein und Borussia sollten in der Reihe der Großen für die Farben ihrer Vaterstadt Kiel kämpfen. Mit gemischten Gefühlen sah man den Ereignissen entgegen. Als erster Gegner wurde der HSV, der jahrelang norddeutscher Meister war, bestimmt. Im Sturm standen dort so bekannte Leute wie Richard Dörfel und Erwin Seeler. Unter dem Jubel von 3.000 Zuschauern wurde der HSV mit 3:2 bezwungen. Weitere Siege folgten.
Dann kam aber doch noch nach zwei Jahren, als man sich schon längst gesichert glaubte, der Abstieg. Dreizehn Punkte hatte unsere Elf errungen; u. a. waren Victoria Hamburg und Holstein Kiel auf dem Blaschkeplatz auf der Strecke geblieben. Im Entscheidungsspiel gegen Polizei Hamburg fehlten der Mannschaft indessen die Nerven. Die körperliche Kondition ließ auch zu wünschen übrig, um diesen Kampf siegreich beenden zu können. Mit bitteren Gefühlen musste Borussia den Weg in die Bezirksklasse antreten.

1936 und 1937 wurde zwar die Bezirksmeisterschaft errungen, zweimal konnte man wieder eingreifen in die Entscheidung um den Aufstieg in die Gauliga, aber zweimal hatten andere Vereine – FC St. Pauli bzw. Polizei Hamburg – mehr Glück.
Als sich 1933 der Gaardener Ballspielverein (GBV) auflöste und die damalige Freie Turnerschaft an der Kieler Förde (MA I) als Arbeiter-Turn- und Sportverein von den Machthabern verboten wurde, schlossen sich die Handballer beider Vereine dem FV Borussia an. So konnten auch wir eine Handballabteilung gründen, nachdem ein derartiger Versuch in den Jahren 1925 und 1926 nicht von langer Dauer gewesen war.
Im Jahre 1935 nahm unsere 1. Handballmannschaft als Meister von Schleswig-Holstein an den Aufstiegsspielen zur Gauliga teil.

Alle Vertreter der Kreise Hamburg und Lübeck-Mecklenburg wurden geschlagen; die Gauliga war erkämpft. Im ersten Jahr ihrer Gauligazugehörigkeit hatte die erste Handballmannschaft ihre größten Erfolge. Sie erkämpfte in der Nordmarktabelle den dritten Platz und stand damit vor dem THW. Nach 3jährigem Mitwirken mussten wir die Gauliga allerdings wieder verlassen. Die Namen der damaligen Stammspieler sollen hier einmal festgehalten werden:
Torwächter: Pagels, Kley; Verteidiger: Löhndorf, Köpke; Läufer: Ohms, W. Lunau, Schlüter, Loof; Stürmer: Kurt Willrodt, Göttsch, Nötzel, Ruser, Bösinger, Karl Willrodt, Kurt Lunau.

Auch unsere Jugendabteilung gehörte in der damaligen Zeit zu den besten Abteilungen in Kiel. In einer Vereinszeitschrift aus dem Jahre 1938 finden wir folgende Sätze: „Wir haben ein Recht, von unserer Jugend etwas Besonderes zu verlangen, sei es im Benehmen auf dem Sportplatz oder im Auftreten bei Vereinsveranstaltungen. Wer von unseren Jungen sich in unserer Gemeinschaft nicht restlos einordnet, wer Anordnungen nur schwerlich befolgt, muss es lernen; wer dies nicht will oder kann, muss gehen. Spielerisches Können und Charaktereigenschaften sind für uns bei der Beurteilung eines Jungen von gleicher Wichtigkeit und voneinander nicht zu trennen.”
Höhepunkte der Jugendarbeit waren wohl die Fahrten nach Ostpreußen und der Besuch des Jugendzeltlagers anlässlich der Olympischen Spiele 1936 in Berlin.

Zweiter Weltkrieg

In den Jahren 1936/37 wurde die Mannschaft Bezirksmeister. Diese erfolgreiche Arbeit wurde 1939 durch den Kriegsausbruch unterbrochen, fast sämtliche Mannschaften wurden zum Wehrdienst einberufen. Wir hatten zur Zeit des Kriegsausbruchs einen guten Nachwuchs. Denken wir an Spieler wie u.a. Werner Carstens, Harald Wüstenberg, Walter Becker und Herbert Seidemann. Viele dieser guten Spieler mussten ihr Leben im Krieg lassen.

Die schweren Kriegsjahre haben sich ebenfalls auf die Vereinsarbeit ausgewirkt und die Arbeit in den Abteilungen teilweise zum Erliegen gebracht. Die bisher benutzten Sportstätten wurden entweder für andere Zwecke benötigt oder durch die Luftangriffe, wie beispielsweise die Sportanlage Blaschkeplatz, vernichtet.
Trotz dieser schwierigen Umstände gelang es 1941/42, die Staffelmeisterschaft zu erringen. Wie bereits nach dem 1. Weltkrieg wurde eine Mannschaft aufgebaut, die sich zur Hauptsache aus Marinesoldaten zusammensetzte.
Der Kriegsschluss sah uns zunächst vor einem „Nichts” stehen. Der Spielverkehr ruhte zunächst. Es begann ein neuer Zeitabschnitt für die Vereinsarbeit. Unter sehr einfachen Bedingungen und denkbar ungünstigen Voraussetzungen ergriff ein kleiner Kreis von Mitgliedern die Initiative und schuf die Grundlage für eine systematische Aufbauarbeit. Hierbei erwies sich die sehr starke Beteiligung von jüngeren Vereinsmitgliedern bei der Aufbauarbeit des Vereins als sehr vorteilhaft.
Dieses ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass in den vorausgegangenen Jahrzehnten eine sehr gute Jugendarbeit durchgeführt worden war. Aber auch ältere, bewährte Mitarbeiter krempelten die ärmel auf und brachten den Verein voran. Neben Fußball und Boxen traten Handball, Tischtennis und Turnen. Treibende Kräfte waren August Röschmann und Adolf Blöhs im Handball, Werner Hansen im Tischtennis und Richard Martin im Turnen.

Unser Blaschkeplatz war kurz vor Kriegsende in ein einziges Trichterfeld verwandelt worden. Also – auf zum Kasernenhof. Viele freiwillige Helfer hatten aber bald den Blaschkeplatz wiederhergestellt. Unvergessen bleibt uns hier unser verstorbener Sportfreund Albert Machin, der gute Verbindung zu einer Baufirma hatte. Andere Vereine im Kieler Raum hatten sich auch wieder zusammengefunden, und es fanden bald Ausscheidungsspiele zur neuerstellten Klasseneinteilung statt.
Die erste Mannschaft konnte zu diesem Zeitpunkt den Aufstieg zur Landesliga nicht schaffen. Ja, im Herbst 1948 musste sogar der schwere Weg in die Kreisliga angetreten werden. Einige Namen, die in dieser Zeit die Farben der Borussia vertraten, möchte ich doch nennen: Becker, Albert, Geißler, Hizega, Müller, Wüstenberg, Ratjen, Lehmann, Prien, Seidemann, Menzel, Kühn, Steinbeck, Rook und Riebe.
Die Jungen, die um 1945 geboren wurden, wuchsen in die sogenannte „Straßenfußballergeneration” hinein. Viele dieser Spieler waren in den Jugendklassen und später in der Männermannschaft die tragenden Säulen im TSV Gaarden und der FSV Borussia.

Das Konzept für die Weiterentwicklung des Vereinslebens in Gaarden führte 1945 zu einem Zusammenschluss der Vereine Borussia, Kampfsport und der Freien Turnerschaft Eiche zu einer Gemeinschaft, die sich zunächst „Freie Sportvereinigung Gaarden” nannte, aber schon bald in „Freie Sportvereinigung Borussia” umfirmierte. Aus dieser Gemeinschaft hat sich ein großer Teil der ehemaligen Mitglieder der FT Eiche allerdings sehr bald wieder gelöst und einen eigenen Verein gegründet.

Die enormen Eigenleistungen, die die Mitglieder für die Wiederherrichtung der Sportanlagen aufbrachten, führten dazu, dass die verantwortlichen Stellen der Stadt Kiel und des Landes Schleswig-Holstein weitere Hilfe zusagten. Dadurch wurde erreicht, mit Hilfe von Sportförderungsmitteln die Sportplatzanlage zu vervollständigen und im Jahre 1950 ein Vereinsjugendheim zu errichten.
Diese neue Einrichtung vermittelte dem Vereinsleben sehr starke Impulse.

Im Jahre 1953 bildete das 50jährige Vereinsjubiläum den Mittelpunkt der Vereinsarbeit. Die im Vereinsvorstand und in den Abteilungen tätigen Mitarbeiter waren bemüht, das Angebot an die interessierte Jugend zu erweitern. Diese Maßnahmen führten zu einem erfreulichen Mitgliederzugang.

Außerdem konnte der gemeinsam mit dem TSV Gaarden gebaute Sportplatz Katzheide als Ausweich- und Trainingsplatz in Betrieb genommen werden, was eine erhebliche Entlastung für den überbelegten Blaschkeplatz brachte.
Überhaupt ging es in den 50er und 60er Jahren erfreulich aufwärts. Am meisten stand natürlich immer der Fußball im Blickpunkt, aber auch in den anderen Abteilungen Boxen, Handball und Tischtennis wurde gute und erfolgreiche Arbeit geleistet, die den Namen der FSV Borussia weit ins Land und über die Grenzen des Landes trugen. Fußballer und Tischtennisspieler waren auch gern gesehene Gäste in der DDR.

Schon Mitte der fünfziger Jahre wuchs die ca. 1938 geborene Generation heran und bildete in beiden Vereinen das Gerüst für die folgenden doch erfolgreichen sechziger Jahre. An einen Neuaufbau dieser Mannschaft musste gedacht werden. Der sehr gute Nachwuchs musste seine Chance erhalten. Das Training übernahm ohne jegliches Entgelt unser leider schon verstorbener „Heia” Wohlsen.

Schon in der Saison 1963/64 schafften wir den lang ersehnten Sprung von der Bezirksklasse in die Landesliga, der höchsten Amateurklasse des Landes. Zu dieser neuformierten Mannschaft zählten: Rojahn, Dobbitsch, H. und W. Schekat, Claussen, Wehmeyer, Hinsch, Wilimzig, Macher, Klindtworth, Ewert, G. Lehmann, Riedel und Möller.
Etwa mit der gleichen Mannschaft wurden wir im Juni 1964 Schleswig-Holsteinischer Pokalsieger. Im Endspiel wurde Eutin 08 durch ein Tor von Otto Riedel mit 1:0 geschlagen.
Nach dem Abstieg 1965 schafften wir 1966 noch einmal den Sprung in die enorm starke Landesliga.

Mit wechselndem Erfolg wurde in den nächsten Jahren in der neugegründeten Verbandsliga gespielt. Die Ortsrivalen-Duelle zwischen dem TSV Gaarden und der FSV Borussia zählten stets zu den Höhepunkten. Die Konkurrenz war vorhanden, und die Spiele Ost- gegen Westufer sowie die Ostuferrivalenkämpfe gegen Comet und Ellerbek vor tausenden von Zuschauern gehörten zu den Höhepunkten.

Im Turnen beteiligte man sich zwar nicht an Wettkämpfen, aber für sehr viele Kinder war es die erste Berührung mit Leibesübungen, die sie schließlich dem Verein zuführten. Die liebevolle Betreuung durch den unvergessenen Turnwart Richard Martin ist noch heute vielen Mitgliedern in dankbarer Erinnerung.

Mehrfach präsentierte der Verein seine gesamte Programmpalette in Sportwochen der Gaardener Bevölkerung. Und immer wieder wurden die Räumlichkeiten auf dem Blaschkeplatz verbessert oder erweitert. So entstand beispielsweise 1958 das Clubheim mit einigen zusätzlichen Umkleideräumen. Eine fleißige Baukolonne brachte die umfangreichen Arbeiten in kurzer Zeit zum Abschluss.

Einige rührige junge Vereinsmitglieder riefen einen Jugendausschuss ins Leben, der den Jugendlichen mit Tanzkreisen und Jugendfahrten unabhängig von Abteilungen völlig neue Angebote machte. Allerdings stießen Ratwin Melzer, Rolf Jensen und Hans-Gert Schütt bei den „etablierten” Mitarbeitern nicht immer auf das Verständnis, das sie erwarteten.

In den Jahren 1969 und 1970 wandte der Verein erhebliche personelle und finanzielle Mittel auf, um den Blaschkeplatz, der durch jahrelangen intensiven Spielbetrieb doch sehr gelitten hatte, von Grund auf zu renovieren. Auch die Stadt Kiel und der Landessportverband versagten ihre Hilfe nicht.
Die Weiterentwicklung des Vereinsgeschehens beschäftigte Vorstand und Abteilungsleiter zu jeder Zeit. Die Inbetriebnahme weiterer Sportstätten im Stadtteil Gaarden tat ein übriges, um die Diskussion um die künftige Vereinsentwicklung mit den Mitgliedern und Helfern des Vereins zu vertiefen. Die übergabe der Coventryhalle, die Austragung von Spielen auf dem Sportplatz Katzheide und die Durchführung von Sportveranstaltungen auf der Baukampfbahn gaben den Ausschlag, eine zeitgemäße Form für eine zukunftsorientierte Vereinsarbeit festzulegen. Diese überlegungen führten zu dem Ergebnis, dass eine optimale Ausnutzung der in Gaarden vorhandenen Sportstätten erreicht werden muss.

Es wurde ebenfalls für zweckmäßig gehalten, den Mitgliedern eine große und vielseitige Palette sportlicher Möglichkeiten anzubieten. Zu der Verwirklichung dieses Programms gehörten ein großes Potential an Mitarbeitern, ein verstärkter finanzieller Einsatz und ein erweiterter Bedarf an Sportstätten.
Der bezahlte Fußball machte es reinen Amateurvereinen immer schwieriger, gute Spieler zu halten. TuS Gaarden 1875 Logo Seit etwa 1969 war in Gaarden mehrfach der Wunsch laut geworden, den TSV und Borussia zu einem neuen Großverein zu vereinigen. Insbesondere die Fußballabteilungen beider Vereine unter der Führung von Norbert Mizgayski und Werni Rahlf bzw. Alfred Wotschke und Henning Petersen setzten sich dafür ein. Gefördert wurde dieser Gedanke dadurch, dass wegen der Renovierung von Blaschkeplatz und Baukampfbahn zunächst Borussia auf die Baukampfbahn und dann der TSV auf den Blaschkeplatz ausweichen musste.

Der Vernunft gehorchend schlossen sich im Jahre 1972 die Vereine TSV und FSV Borussia zur „Turn- und Sportvereinigung Gaarden von 1875 e.V.” zusammen. Mit dem Zusammenschluss der beiden Gemeinschaften begann für den Stadtteil Gaarden ein neuer Abschnitt in der Vereinsarbeit.